Besucht: Witzigmanns „Palazzo“ in Graz

Essen mit Entertainment, das ist eigentlich nicht meine Sache. Entweder will ich mich auf das eine konzentrieren, oder eben auf das andere. Da es die Familie wünschte, haben wir uns für den Tag nach Weihnachten einen Tisch im Grazer „Palazzo“ reserviert: Das in Wien, Berlin, Hamburg, Stuttgart und Nürnberg sehr erfolgreiche Kulinarik-Event ist derzeit erstmals in Graz zu Gast.

Der Koch, der Patron der Grazer Palazzo-Premiere ist, niemand Geringerer als Jahrhundertkoch und Legende Eckart Witzigmann. Der Mann, der die Haute Cuisine aus Frankreich nach Deutschland gebracht hat. Der so viele wichtige Köche ausgebildet hat. Der eine wahre Legende ist – wie sehr ihn die jüngeren Köche bewundern und am liebsten vor ihm auf die Knie gehen würden, begreift man erst, wenn man die Doku über sein Jubilarsessen im Salzburger „Hangar“ gesehen hat.

Die Erwartungen sind also hoch – und werden dann doch ein wenig enttäuscht, wenn man sich Witzigmanns Palazzo-Menü für Graz ansieht … Köstlich, aber sehr klassisch und jetzt nicht besonders kreativ: Lachs-Trilogie mit Gurkenspaghetti, Kürbis-Thai-Süppchen mit Garnele, Kalbsfilet im Brotmantel mit Kohlgemüse Pilzen, Rösti und Rotweinjus, Schokomousse mit Tonkabohneneis, Nougat-Trinkschoko und Orangen.  Ein bisschen erschreckend die vegetarische Alternative im Hauptgang: Buchweizenlaibchen mit Wokgemüse. Seriously?! Das erinnert schmerzhaft an Landrestaurants, die Veggies bis vor Kurzem nur TK-Gemüselaibchen und Gemüseplatte servierten.

Und doch war das Ganze eigentlich ein ganz schönes Erlebnis: Man sitzt in einem historischen Spiegelzelt, ein aufwändig gemachter, originaltreuer Nachbau von niederländischen Unterhaltungspalästen aus der Jugendstil-Zeit. Das ist schon einmal ein ganz besonderes Ambiente. Man wird rund dreieinhalb Stunden lang von wirklich großartigen Artisten unterhalten (- der Liebste sagt, dass die beim Roncalli auch nicht viel besser waren), es gibt tolle Musik (zu den Nummern bitteschön PJ Harvey, Aztec Camera und Spandau Ballet, bitteschön), die Moderation ist witzig und spritzig und die oftmals gefürchtete Publikumsbeteiligung hält sich auch in Grenzen (wer gar nicht will, trotzdem nicht die Tische in der Manege buchen!!).

Und das Essen? Das sieht zwar nicht ganz so aus wie auf den geschönten Pressefotos, ist aber dennoch tadellos zubereitet. Dabei muss man bedenken, dass es in Containern zubereitet wird – und zeitlich alles ganz genau passen muss, ist doch der Ablauf der „Palazzo“-Dinnershow vom Anfang bis zum Ende durchgetaktet.

Preislich ist das Vergnügen mit Preisen von 86 (aber nur für die Bühnenloge mit stark eingeschränkter Sicht) bis 148 Euro freilich nicht ganz billig, die Getränke müssen noch extra bezahlt werden (die Weinbegleitung um 29,90 Euro kann ich aber sehr empfehlen). Den Preis bezahlt man aber schließlich nicht nur fürs Essen, sondern für hochwertige Einlagen und überhaupt ein tolles Gesamtergebnis – das Preis-Leistungs-Verhältnis geht also durchaus in Ordnung.

„Palazzo“ gastiert noch bis zum 26. Februar am Gelände der Grazer Messe (genauer gesagt im Messepark; eigener Zugang). Am 14. Februar sind bei der „Nacht der Sterne“ alle Palazzo-Spitzenköche zu Gast: Kolja Kleeberg und Hans-Peter Wodarz (Berlin), Harald Wohlfahrt (Stuttgart), Toni Mörwald (Wien), Alexander Herrmann (Nürnberg), Cornelia Poletto (Hamburg) und eben Eckart Witzigmann (Graz) – hier geht’s zum Menü. Das ist übrigens eine der wenigen Gelegenheiten, den Kochgott selbst in Graz zu erleben – er ist freilich nicht bei allen Abenden selbst dabei.

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