Essen in Kopenhagen

Anfang Juni ging es für ein paar Tage in die Hauptstadt von Dänemark, jenem Land, das anscheinend so vieles besser macht als wir, vor allem was Nachhaltigkeit angeht … Kopenhagen gilt als ganz großes Vorbild für eine fahrradfreundliche Stadt – wie viele Leute dort am Bike unterwegs sind, glaubt man erst, wenn man es gesehen hat. Und auch beim Thema Lebensmittelverschwendung hat sich in Dänemark viel getan – der gebürtigen Russin Selina Juul und ihrer Bewegung ist es gelungen, 25 Prozent (!) der Lebensmittelabfälle zu reduzieren (eine Doku dazu gibt’s noch 25 Tage lang auf arte.tv nachzusehen).

Nicht nur beim Vermeiden von Abfällen, auch beim Produzieren von tollem Essen sind die Dänen ganz weit vorn – das weiß die Welt spätestens seit den regelmäßigen Top-Platzierungen von René Redzepi und seinem Noma. Das soll übrigens noch heuer im Norden des Freistaats Christiania neu aufsperren. Einen Besuch im Noma hätten wir uns aber wohl eh nicht so leicht leisten können, stattdessen wichen wir auf eines der Restaurants aus, die von den vielen Noma-Schülern aufgesperrt wurden: Aus der Noma-Küche sind ja längst einige weitere Spitzenköche mit eigenen Lokalen hervorgegangen. Einer davon ist Christian Puglisi mit dem Relæ (Platz 39 der World’s best 50 Restaurants) im Stadtviertel Nørrebro.

Der Besuch dort war freilich eines der ganz großen Highlights bei unserem Städtetrips. Es war aber natürlich auch eines der teuersten Restaurants, das wir je besucht haben … Von den unreifen, grünen Erdbeeren mit Frischkäse am Anfang bis zum Pilz-Karamell-Sandwich zum Dessert: Was wir im Menü Relæ Experience serviert bekommen haben, war so wunderschön und in seiner Schlichtheit so unglaublich raffiniert, dass ich mich an dieses Essen sicher noch lange gerne erinnern werde. Die Einrichtung ist skandinavisch schlicht mit viel Holz und ganz simpel, aber sehr gemütlich, das Service herausragend, die Weinkarte fantastisch – mit viiel Naturwein.

Fotos: Relæ

 

Und sonst? Haben wir es uns gut gehen lassen und versucht, nicht allzusehr auf die (teils doch ziemlich empfindlich teuren) Rechnungen zu schauen, es waren ja nur ein paar Tage … Unbedingt kosten sollte man På brød bzw. Smørrebrød (wörtlich „Butterbrot“) – das ist ein offenes Riesen-Sandwich auf köstlichem Roggenbrot, belegt mit allerlei frischen Zutaten wie Fisch, Hummer, Krabben, Roastbeef … In sind, wie ja fast überall, gerade Naturwein und Craft Beer. Eine nette Sache zum Durchgustieren ist auch der permanente Street Food Market auf der „Papierinsel“ Papirøen.

Fotos: Copenhagen Street Food & mehr …

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Essen in Hongkong

Anfang März hat es uns für luxuriöse 10 Tage nach Hongkong gezogen. Gerade genug Zeit, um eine kleine Ahnung von dieser Wahnsinnsstadt zu bekommen. Um durch die Tempel voller Rauchschwaden zu streuen, in denen archaischen Göttern Zuckerl und Obst geopfert werden. Um sich das Einatmen zu verkneifen, wenn man durch Straßen voller Shops mit haufenweise getrockeneten Fischblasen spaziert. Um sich in den Unmengen von Menschen, die sich durch die Straßenschluchten zwängen, treiben zu lassen. Um per Rolltreppe die höher gelegenen Wohnviertel zu erreichen. Um die vielen Naturparadiese, die auch zu dieser Welthauptstadt des Kapitalismus gehören, zu Fuß zu erkunden. Und natürlich auch, um Hongkong, Südchina, Asien auf den Geschmack zu kommen.

Das ist zunächst einmal nicht so einfach. Typisch ist in Südchina nämlich die Chiuchow- Küche oder kantonesische Küche (Kanton ist der früher im Westen gebräuchliche Name für die Millionenstadt Guangzhou, gerade einmal 3 Stunden von Hongkong entfernt) ist die Frische der Zutaten, aber auch die Reinheit, Purheit des Geschmacks – und so bekamen wir meist für unseren Geschmack völlig fade Dinge serviert. Das galt auch für die für Hongkong so typischen Dim Sim, die kleinen Bissen, die auf Buffetwägen vorbeigeschoben werden. Auf die Tatsache, dass so wenig gewürzt wird, mussten wir uns erst einmal einstellen. Und dann war da die Sache mit dem Glibber – Chinesen lieben schleimige Konsitenzen, auch das ist nicht unbedingt unser Fall gewesen. Ein bisschen befremdlich, aber irgendwie lustig, ist der Küchenstil Soy Sauce Western, den man noch in älteren Traditionscafes bekommt: Dahinter verbergen sich westliche Gerichte, die von Chinesen auf ihre Art nachgekocht wurden. Darüber wundern wir uns wohl ebenso wie die Chinesen über das, was sie in Europa im Chinarestaurant so vorgesetzt bekommen …

Gewundert haben wir aus auch, als wir in die Filiale einer österreichischen Bäckerei gestolpert sind: Österreichisch war nur ein Poster von Hallstatt, in den Regalen war seltsam softes Brot mit Avocado- und Süßkartoffelgeschmack in Grün und Lila … Und dann gibt’s einige Lokale, bei denen die Optik offenbar mehr zählt als der Geschmack – Instagram sei dank: Aber um einmal ein Foto mit den Dim-Sum-Bällchen in Rosa mit dem lustigen Schweinsgesicht oder einer Zuckerwattewolke mit Augen drauf zu posten, pilgern viele Leute hin – auch ein Geschäftsmodell (auf das wir freilich auch reingefallen sind)!

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Daneben haben wir aber auch ziemlich fantastisch gegessen. Einerseits kantonesisch – aber auf Sterneniveau neu interpretiert in Form der X-treme chinese cuisine von Alvin Leung im Top-Lokal „Bo Innovation“ (mehr dazu in den Fotos weiter unten). Andererseits hatten wir unsere erste Begegnung mit der völlig zu Recht sehr hippen Nikkei-Küche – eine in Peru entstandene Fusion aus japanischem und peruanischem Essen. Und großartige Sushi 🙂 Und einen wundervollen Tee im legendären Peninsula Hotel.

Bo Innovation – Blue Menu

Durchgekostet: Prag

Ja na klar. Einen gemeinsamen Nenner gibt es immer, wenn M. und ich verreisen: Die Wahl der richtigen Lokale ist mindestens genauso wichtig wie das Sightseeing-Programm. Schließlich muss man sich ja auch durch ein Reiseziel durchschmecken, das war kürzlich mit Prag freilich auch nicht anders. Wer da kein Bier trinkt, ist selber schuld – aber wer sich nicht wenigstens ein bisschen durch die böhmische Küche kostet, auch. Neben den vielen Bierlokalen, in denen man durchwegs gutes, deftiges Essen (in den Touristenbezirken halt um einiges teurer) bekommt, hat es uns aber überrascht, wie hoch der Standard in einigen Lokalen war – und das zu einem wirklich tollen Preis-Leistungs-Verhältnis, ist doch Tschechien nach wie vor um einiges günstiger als Österreich oder Deutschland.

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Selten so leer: Altstädter Ring in Prag

Hier ein paar Lokal-Tipps für die „Goldene Stadt“, vielleicht helfen sie ja dem einen oder der anderen weiter … Fotos vom Essen dort findet ihr weiter unten.

  • Nota Bene: Tolles Bierlokal in der Neustadt, ein Stück südlich vom Hauptbahnhof. Es gibt großartiges (Craft) Bier in wechselnden Sorten und dazu eine kleine, aber äußerst feine Speisekarte mit Essen aus regionalen Zutaten. Würde sich bei uns auf jeden Fall eine Haube verdienen!
  • U Sedleru: Ein typisches Bierlokal am Karlsplatz, das aussieht wie Hunderte andere – die Qualität des Essens hat uns aber sehr überzeugt. Knoblauchsuppe, Gulasch und Schnitzel waren perfekt gekocht, der Erdäpfelsalat ganz toll abgeschmeckt.
  • U Marianskeho Obrazu: Hier sind wir zufällig im Arbeiterbezirk Žižkov nach der Besichtigung des Fernsehturms hungrig gelandet. Schweinsbraten, Gulasch und Bier zu unschlagbaren Preisen. Und sehr in Ordnung.
  • Bukowski’s: Da gab es dann quasi den Verdauungsschnaps nach dem Marianskeho Obrazu – schön schummrige Cocktailbar in Žižkov mit wunderbar ranzigem Flair und fantastischen Cocktails. Auf der Karte stehen Klassiker, aber auch manche ungewöhnliche Kreation.
  • Dinitz: Im jüdischen Viertel der Altstadt waren wir einmal koscher essen – das schmeckt ja natürlich auch Nicht-Juden gut (bzw. bezieht sich „koscher“ ja nur auf die Zubereitungsregeln, nicht die Art des Essens). Ein kleines, sehr einfaches und sehr authentisch wirkendes Lokal mit bewundernswert flotter Bedienung und dem besten Hummus, das ich seit Langem hatte. Dazu Spieße und Mezze, Mezze, Mezze.
  • Maitrea: Vegetarisches Lokal gleich um die Ecke des Altstädter Rings mit sehr schöner Einrichtung (ein bisserl Eso darf ruhig sein) und toller Speisekarte. Ein paar Gerichte waren definitiv sehr gesund (manche Leute soll so etwas ja stören), alles hat aber toll geschmeckt.
  • Q15: Das Lokal des Questenberk Hotels – das Hotel sieht von der Hradschin-Seite aus wie eine Kirche, von der Laurenziberg-Seite sticht vor allem die Terrasse ins Auge, von der aus man einen Weinberg und dann die Schokoladenseite von Prag überblickt. Letzteres hat uns angelockt, das Essen war dann aber auch wirklich grandios.
  • The Field: Ein Sternerestaurant, das sich zwar mit einigem Understatement übt – „Free Range Dining“ ist der Schlachtruf, das scheinbar rustikale Thema wird mit bäuerlicher Gerätschaft bis hin zu Siloballen vor den Toiletten durchgezogen – dann aber Spitzengastronomie bietet. Eine spannende Besonderheit, die bei uns noch nicht so verbreitet ist: Zum Tasting Menu kann man statt der Weinbegleitung auch eine nichtalkoholische Begleitung mit Säften (!) bestellen. Siehe Fotos!

Cachupa & Co: Kapverdisch essen

Über Neujahr waren wir heuer auf den Kapverden. Für alle, bei denen es nicht gleich  klingelt: Das ist diese entlegene Inselgruppe im Atlantik, 500 Kilometer westlich vor dem Senegal. Karg, heiß, bitterarm – und faszinierend. Neben ein paar Tagen Baden und Faulenzen auf der trockenen Touristeninsel Sal waren wir in der Musikhauptstadt Mindelo und sind durch das überraschend fruchtbare und wunderschöne Paul-Tal auf Santo Antao gewandert, wo wir nur so gestaunt haben, mit welch immensen Aufand und welch harter Arbeit die Menschen hier jedem noch so kleinen und abgelegenen Flecken Boden ein Stückchen Ackerland abringen.

Kreolische Küche der Kapverden

Gegessen haben wir natürlich auch etwas … Die Küche der Kapverden ist ziemlich einfach, klar, denn der karge Boden gibt – ganz wenige fruchtbare Täler ausgenommen – nicht viel her. Das absolute Nationalgericht heißt Cachupa und ist ein herzhafter, energiereicher Eintopf aus Bohnen und Mais, aber dazu später. Dann gibt’s ein paar Einflüsse aus Portugal, schließlich war die Insel lange unter portugiesischer Herrschaft. Und Fisch, Fisch, Fisch. Die Inseln sind abgelegen genug, dass ihre Gewässer noch nicht überfischt sind; auf den Teller kommt, was wenige Stunden zuvor im Netz landete. Man kann also mit gutem Gewissen auch Tunfisch, Schwertfisch und alle anderen Fischarten essen, die in der gesamten nördlichen Hemisphäre schwer bedroht sind.

Trinken tun die Inselbewohner auch ganz gerne. Dass sie keine Kinder von Traurigkeit sind, duften wir zur Jahreswende beobachten – da stiegen überall riesige Partys, gefeiert wurde mehrere Tage lang. Beliebt ist das portugiesische Importbier Estrella, von dem es auch eine kapverdische Variante gibt. Aber auch einheimischer Zuckerrohrschnaps, der Grogue – eine Art Cachaça, der pur, aber auch gern in Caipirinha getrunken wird. Dazu gibt es die softere, picksüße Likör-Variante: Ponche („Punsch“).

 

Nun aber zum praktischen Teil dieses längsten Blog-Eintrags von allen: Es gibt Rezeepte!! Kürzlich luden wir nämlich Freunde zum Kapverden-Abend mit Foto-Schaun, dem Versuch, kapverdische Küche nachzukochen und Caipirinhas. 🙂 Originaler Ponche in der Cola-Flasche von der Schwägerin unseres Santo-Antao-Wanderguides Joao wurde dabei übrigens auch verkostet!

 

Hier die Rezepte dazu:

Cachupa Rica: Das Nationalgericht der Kapverden ist ein Eintopf, der morgens, mittags und abends gegessen wird. Zum Mittagessen gibt es frisch gekochte Cachupa-Suppe, als Abendbrot den eingekochten Cachupa Eintopf und zum Frühstück werden die Reste vom Vortag mit einem Ei angebraten. Wenn Speck, Fleisch oder Fisch wird die Cachupa zur Cachupa Rica („reich“).

Das mit dem Rezept ist nicht so genau – in die Cachupa kommt, was der Garten/der Markt gerade hergibt. Fixe Zutaten sind auf jeden Fall Mais und Bohnen, dazu kommt jede Menge Gemüse – Karotte, Kürbis, Maniok, Süßkartoffeln, Kartoffeln, Kohl …

Wir haben sie an das europäische Nahrungsmittelangebot angepasst wie folgt gekocht:

Für einen großen Topf voll 150 Gramm Bohnen (wir haben halb Black Eyed und halb schwarze verwendet) über Nacht einweichen und weich kochen. Zwei Zwiebeln und drei Knoblauchzehen schälen und fein würfeln.

4 Kartoffeln, 2 Süßkartoffeln und 2 Karotten schälen, wie 1 Handvoll Weißkohl, 1 Handvoll Kirschtomaten mittelgrob würfeln.

Zwiebeln und Knoblauch mit einer Handvoll Speckwürfeln in Olivenöl anbraten. Dann das Gemüse plus Bohnen plus 1 Dose Mais dazugeben. Mit Suppe aufgießen und mit 1, 2 Lorbeerblättern weich kochen lassen. Abschmecken mit Salz, Pfeffer und Piment.

Servieren z.B. mit einem Spiegelei „on top“.

 

Pasteis de Peixe: Die Teigtaschen mit herzhafter Fischfüllung sind eigentlich etwas Portugiesisches, der Blog 196 Flavours stellt aber etwa die „Fischkuchen“ als typisch kapverdisches Rezept vor.

Für ein Backblech voll (als Partysnack für ca. 6 Gäste) zuerst den Germteig (Hefe) vorbereiten: 500 g Weizenmehl, 1 Packung Trockenhefe, 1 TL Salz, 1 TL Zucker, 1/2 TL weißer Pfeffer trocken vermischen, mit 1 Ei, 2 EL Öl und 1/4 l lauwarmem Wasser zum Teig vermischen und in Ruhe rund eineinhalb Stunden gehen lassen.

Genug Zeit, um die Füllung zuzubereiten: 2 Zwiebel und 2 Knoblauchzehen schälen und  würfeln. 4 weißfleischige Fischfilets (Dorade, Heilbutt, Dorsch …, es reicht TK-Qualität, aufgetaut) grob würfeln. 1 grüne und 1 rote Paprika, 2 kleine Chili, 3 frische Tomaten (entkernen) ebenso.  Zuerst die Zwiebeln und den Knoblauch in Olivenöl in einer großen Pfanne anbraten, dann Fisch und Gemüse dazugeben. Bei mittlerer Hitze schmoren lassen, bis die Zutaten weich und die Flüssigkeit verkocht ist. Mit Salz und Pfeffer nachwürzen und etwas abkühlen lassen, 1/2 Bund Koriander (fein gehackt) daruntermischen.

Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche etwa 5 mm dick ausrollen, mit einem Glas runde Taler ausstechen, einen EL Füllung daraufgeben und zu einer Tasche zuklappen. (Wer Kärntner Kasnudeln krendeln kann, ist klar im Vorteil.)

Die Teigtaschen werden klassischerweise in heißem Öl frittiert, zum Kaloriensparen haben wir aber den Großteil mit etwas Öl bestrichen im Backrohr gebacken. Der Vergleich macht sicher: Die frittierten haben wesentlich besser geschmeckt! 🙂

Flambierte Bananen: Bananen. Rohrzucker. Harter Alkohol (hier: Grogue). Anzünden. Mit Eis genießen.

 

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Pasteis de Peixe

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Cachupa Rica mit Spiegelei

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Ponche

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Flambierte Banane mit Eis

 

 

Ein paar Eindrücke vom Street Food Market Graz

That escalated quickly! Zwei kurze Besuche am Street Food Market am Grazer Messegelände später sind unsere Geldbörserln um einige Scheine erleichtert, die Kalorien zählen wir lieber nicht zusammen, aber es war sooo guuuut! Teilweise bin ich mit dem Fotografieren nicht mehr mitgekommen, teilweise sind die Fotos vor lauter Gier schwer verwackelt – aber bitte, ein paar Eindrücke von der wunderbaren Fressorgie. Die Drinks lassen wir mal beiseite … 😉

Aufsteirern kulinarisch

Es gibt viele Gründe, das Aufsteirern, das jährliche Riesenfest der steirischen Volkskultur zu mögen. Genauso viele wie es gibt, es nicht zu mögen vermutlich. Trachten, Brauchtum, Volksmusik, hunderttausend Menschen in der Innenstadt … das ist nicht jedermanns Sache. Aber ich habe jetzt für mich persönlich den besten Zugang gefunden: Letzten Sonntag, als ich entlang der Aufsteirern-Standl geschlendert bin, ist mir plötzlich eingeschossen, dass das ja auch ein großer Street Food Market ist: Es gibt wohl keine Gelegenheit, sich durch das Bundesland zu fressen – jede Region ist mit einem Standl vertreten, an vielen davon kochen die Bäuerinnen selbst – ganz besonders natürlich beim Kulinarikfest der Bäuerinnen im Stadtbauernhof (Hof der Landwirtschaftskammer). Da gibt’s Verhackertbrote, Gröstl, Steirerschnitzel mit Kürbiskernpanade, Strudel aller Arten, süße Krapfen und den berühmt-berüchtigten Almkaffee aus Murau.

Und dazu machen viele Lokale in der Innenstadt mit: Das El Gaucho hat heuer z. B. Ochsenburger verkauft, beim Eis Greissler gabs „steirischen herbst“ in die Tüte … mit Kastanien-, Sturm- und Zwetschkeneis.

Voila: Ein paar Impressionen von der kulinarischen Seite des Aufsteirerns.

Durchgekostet: Istanbul

So, der Herbst hat begonnen, die Grazer Erde hat uns wieder und die Eingewöhnungszeit ans richtige Leben ist auch langsam vorbei. Zeit, endlich nach der bislang längsten Blog-Pause von mehr als sechs Wochen auch wieder etwas hier reinzuschreiben. Und was eignet sich da besser als ein Reisebericht – schließlich kann man dabei auch noch ein bisschen in Urlaubserinnerungen schwelgen. 🙂

Heuer im August war es also Istanbul. Wir besuchten einen Freund, der den Sommer über mit einem Künstlerstipendium in der Stadt verbracht hat, für mich war es das zweite Mal Istanbul, für M. das erste Mal. Und (auch dank der neuen Flug-Direktverbindung Graz-Istanbul) ganz, ganz bestimmt nicht das letzte Mal. So ein wunderbarer Schmelziegel aus Ost und West und Tradition und Moderne, riesengroß und unglaublich spannend, und nur zwei Flugstunden entfernt.

Istanbul, gesehen vom SALT

Istanbul, gesehen vom SALT

Aber nicht nur kulturell und historisch hat die Stadt viel zu bieten, ihr ahnt es schon. Das Essen ist unglaublich gut.

Hier ein paar der Lokale, in denen wir gegessen haben und die wir sehr gern weiterempfehlen:

  • Marmelat ist ein kleines Café ganz in der Nähe des Galata-Turms – und lag genau gegenüber des Apartments, in dem wir gewohnt haben. Wir haben fast täglich dort gefrühstückt: Es war alles ausgezeichnet. Und: Es gibt wunderbaren Meinl-Kaffee!
  • Canım Ciğerim ist ein winziges Fast-Food-Lokal, das sich auf ein Gericht spezialisiert hat: Shish Kebap, also Spieße. Die gibt’s in den Sorten Leber („Canım Ciğerim“ heißt wohl so etwas wie „meine Leber, meine Liebe“), Rind und Huhn. Dazu werden dann weiche Fladenbrote, gehackte Paradeiser mit Kräutern, Spinat, rohe Zwiebeln, Petersilie, Minze und Gemüse serviert, daraus bastelt man sich eine Art Wrap. Schmeckte sehr, sehr gut! Adresse: Minare Sokak No.3, Beyoğlu – es gibt aber auch weitere Filialen.
  • Refik ist ein legendäres türkisches Bohème-Lokal, ganz in der Nähe der Istiklal, das seit den 50er Jahren unverändert scheint. Die Wände sind voll mit Zeitungsausschnitten und Fotos des Besitzers mit Prominenten. Das Essen ist traditionell türkisch, besonders gut war die große Auswahl an Mezze – die Kellner bringen die Teller zum Aussuchen auf riesigen Tabletts an den Tisch.
  • Mikla gehört zu den hundert besten Restaurants dieses Planeten – übrigens für uns das erste Mal, das wir eines der Liste besuchen durften. Total überwältigend ist schon einmal die Aussicht: Man nimmt auf der Dachterrasse des Marmara Pera Hotels im 18. Stockwerk Platz und hat eine atemberaubende Aussicht über Galata, die historische Halbinsel mit ihren Moscheen und das Marmarameer. Die Küche definiert sich als neue anatolische Küche, also traditionelle Küche neu interpretiert. Wir hatten das Degustationsmenü, mit einer (großzügig eingeschenkten!) Weinbegleitung aus rein anatolischen Weinen. Und: Es war der Hammer. In der Fotoserie mehr dazu!
  • Heisenberg. Die hippste Gegend von Istanbul ist derzeit Karaköy, wo sich die Stadt ein bisschen in Brooklyn/Williamsburg verwandelt: Alte Garagen und Werkstätten werden zu Lokalen und originellen Geschäften, Hipster durchstreifen die Straßen, es ist alles sehr, sehr nett – und wird wohl auch bald der Gentrifizierung zum Opfer fallen. Eines der Lokale, das wir zielstrebig anvisiert haben, ist das Heisenberg. Der Name erinnert euch nicht nur an Physikstunden? Richtig, es ist ein Breaking-Bad-Themenlokal (!). Ein Schutzanzug mit Gasmaske hängt an der Wand, auf der anderen Seite ein Pollos-Hermanos-Kübel, als Tischdeko gibts Pipetten – und auf der Karte hauptsächlich (ganz ordentliche) Burger. Man hätte es vielleicht sogar ein bisschen origineller/originalgetreuer machen könnten (Los Pollos Hermanos! Und Cornflakes!), aber dennoch ganz nett.
  • Dandin, eine Ecke weiter vom Heisenberg gelegen, ist eine zuckersüße Konditorei ganz im türkis-weißen Fünfziger Jahre Stil gehalten. Köstlich war das Tahini-Eis, und das Ungetüm aus Pudding-Erdbeer-Kuchen hat auch toll ausgeschaut. Hier könnte man Stammgast werden, würde man in dieser wunderbaren Stadt leben.

Durchgekostet: Venedig

Bis jetzt glaube ich es ja nicht, dass Venedig sooo überlaufen von Touris sein soll. Ich habe die Serenissima nämlich bis jetzt nur zwei Mal total abseits der Saison kennenlernen dürfen: Einmal Anfang Jänner, einmal ganz kurz nach Carneval-Ende. So kann man sich nämlich nicht nur einigermaßen frei zwischen den Canales bewegen, sondern sich auch ganz wunderbar aufs Essen konzentrieren. Das ist in Venezia natürlich so gut wie überall toll. Zum Beispiel hier …

Restaurant-Tipps Venedig

Il Ridotto, Sestiere Castello, 4509 – ein sehr empfehlenswertes Sternelokal, ganz zentral 10 Minuten vom Markusplatz weg gelegen

Trattoria Alla Rivetta, Castello 4625, Ponte San Provolo – winziges, verstecktes, authentisch venezianisches Lokal, das immer gestopft voll ist

Al Vecio Forner, Campo San Vio, Dorsodura 671/A – direkt um die Ecke des Peggy Guggenheim Museums – ein einfaches, ebenfalls immer volles, venezianisches Lokal, schnelle Bedienung, tolles Essen

B Restaurant alla Vecchia Pescheri, Campiello Pescheria, 4, 30141 Murano – eine tolle Überraschung in Murano: moderne Interpretation venezianischer Küche, absolut toll gekocht

Venedigs Restaurants auf den Teller geschaut …

Durchgekostet: Sri Lanka

Ui. Schon gute eineinhalb Monate seit meinem letzten Post. Die Hälfte davon waren wir aber unterwegs: im wundervollen Sri Lanka. Da haben wir uns ordentlich durchgekostet, wenn auch vielleicht nicht ganz so scharf – wir haben fast ausschließlich in den Hotels gegessen.

Das allerwichtigste Gericht  ist natürlich Rice & Curry, das bekommt man wirklich überall serviert. Üblicherweise sucht man ein Curry seiner Wahl aus – und bekommt dann einen Teller Reis und mindestens drei Schüsselchen mit dem gewünschten Curry plus einem weiteren und ein Dal (mildes Linsencurry), dazu Papadam (die köstlichen frittierten Fladen aus Linsenmehl) und vielleicht auch noch Pol Sambol (ein köstlicher Mix aus fein geraspelter Kokosnuss, roten Zwiebeln, Tomaten, Chili, Limette und Gewürzen).

Rice & Curry, Forest Rock Garden Resort, Sri Lanka

Rice & Curry, Wathsala Inn, Sri Lanka

Rice & Curry, Wathsala Inn, Sri Lanka

Gegessen wird übrigens mit den Händen – ganz ehrlich haben wir’s nicht einmal probiert. Das Essen sah einfach zu köstlich aus, um sich da lang mit ungeschickten Versuchen, es mit den Fingern in den Mund zu befördern, aufzuhalten.

Wenn ihr einmal nach Sri Lanka fahrt, solltet ihr unbedingt folgendes kosten:

Roti. Ein eher trockener Fladen aus Mehl und Kokosraspeln, den man zum Frühstück oder so als Snack ist. Am besten im Sambol.

Hoppers. Die sind uns täglich am Frühstücksbuffet begegnet: Meistens als String Hoppers, das sind Fladen aus spaghettiartigen Nudeln, die man mit Curry isst. Normale Hoppers gibt es auch, die haben wir allerdings nie bekommen. Die ganz dünnen Pfannkuchen werden in einer hochwandigen Pfanne zubereitet. In der „Luxusvariante“ mit einem hineingeschlagenen Ei sind es „Egg Hoppers“. Sehr köstlich!

Egg Hopper

Egg Hopper

Curd & Treacle. Der srilankesische Klassiker zum Dessert: Curd, ein dicker Wasserbüffeljoghurt – eher Frischkäse -, den man klassischerweise mit Palmhonig (Treacle) isst. Eine andere typische Süßungsvariante ist mit Jaggery, dunkelbraunem Palmzucker.

Was die Früchte angeht: die kleinen Bananen, die Mangos, Ananas, Papaya und Wassermelone bekommt man in den Hotels ständig angeboten. Seltener bekommt man als Touri auch die Früchte, die weniger gängig sind: zum Beispiel der Wood Apple, eine seltsame Frucht, die außen holzig und hart ist, dafür innen wie verfault aussieht. Ihr Saft sieht aus wie bereits schon einmal gegessen und schlecht verdaut. Aber bitte trotzem kosten – schmeckt zumindest wesentlich besser als die Optik verspricht! Nicht kosten konnten wir die Mangustanen, Rambutan (eine Lychee-Art) und die roten Bananen (Ratu Kessel), dafür aber den Saft der überall erhältlichen Königskokosnüsse (Thambili), die vor dem Kunden am Stand geöffnet werden.

Auch beim Gemüse gibt es interessante Dinge zu entdecken: Okras (Ladyfingers), Schlangengurken, Süßkartoffeln, ganz andere, aber toll ausschauende Melanzani/Auberginen oder, recht gewöhnungsbedürftig: die Bittergurke.

Bittergurke

Bittergurke

 

Hier noch ein paar Eindrücke vom Markt:

Die Brezensuppe

Brezensuppe im Gasthaus zur Post, St. Martin bei LoferEin Rezept aus dem Urlaub. Nichts Italienisches oder Griechisches, sondern etwas Tirolerisches – oder Pinzgauerisches, je nachdem auf welcher Alm man sich gerade befindet. Die Brezensuppe ist das wohl beste vegetarische Essen, das man jenseits der Baumgrenze so bekommt.

Das mit dem zuhause Nachmachen, funktioniert, wie es nun mal mit Urlaubsessen so ist, nur bedingt. Dabei ist es schon fast lächerlich einfach. In Graz mangelt es allerdings an der Hauptzutat: altbackene Brezen. Die bäckt nämlich offenbar kein Bäcker in der Stadt, das was man so bekommt, ist alles Aufbackware.

Glücklicherweise gibt es sogar das Originalrezept der „St. Martiner Brezensuppe“ vom Gasthof zur Post in St. Martin bei Lofer, das hier rechts oben abgebildet ist, online auf salzburg.orf.at.

 

Für vier Portionen acht Brezen vom Vortag (am besten weiße Brezen, nicht Laugenbrezen, mit denen wird es sehr würzig) in kleine Stücke schneiden oder reißen. 10-15 dag Pinzgauer Bierkas (oder Graukäse, Bergkäse … es muss deftig sein) fein würfeln.

Dann abwechselnd, mit Brezen anfangen und beenden, in die Suppenteller schichten.

Mit 1 l Rindssuppe (Vegetarier Gemüsesuppe) übergießen und quellen lassen. Die Brezen sollten weich, aber leicht bissfest sein.

Eine Zwiebel in Ringe schneiden, mit etwas Butter goldbraun braten. Über die fertige Brezensuppe streuen, mit Schnittlauchröllchen bestreuen.

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