Toer de Geuze 2019 in Belgien

„Are you shocked now?“ werden wir nicht nur einmal erwartungsvoll an der Biertheke gefragt. Nein, wir sind nicht geschockt, wir sind entzückt, wir wissen ja, was uns erwartet hat. Trocken, überraschend sauer, eine Krone, die sofort in sich zusammenfällt und eine Dreiviertelliterflasche mit Champagnerkorken: Die Geuze (oft auch Gueuze geschrieben) gehört zu den unbierigsten Bieren überhaupt, den Belgiern und vielen Biertrinkern weltweit ist sie heilig.

Was ist Geuze? Um das zu erklären, muss man erst mit Lambic anfangen. Jenes belgische Bier, das ich erstmals kennengelernt habe, als ich ein Sorbet daraus gemacht habe. Lambic ist eines der letzten spontanvergorenen Biere – die Hefe wird also nicht gekauft und gezielt hinzufügt, die Braumeister verwenden „wilde“ Hefen und Bakterien, die in der Luft herumschwirren – und, wie in der Brüsseler Brauer Cantillon erzählt wird, im Gebäude auf den uralten Wänden leben. Das ist auch der Grund, warum das Bier nur in Brüssel selbst und im Pajottenland und Zenne-Tal westsüdwestlich von Brüssel gebraut werden kann, und auch da nur in der kalten Jahreszeit – die richtige Mischung an Hefen findet man nirgendwo sonst und sie kann auch nicht reproduziert werden.

Timmermans

Auswahl an verschiedenen Gueuze-Bieren in der Brauerei Timmermans, Itterbeek

Geschmacklich erinnert es mehr an Apfelmost als an Bier, die Herstellung wiederum ist näher am Wein, aber wenn dann am Naturwein. Denn: Der Brauer darf möglichst wenig Einfluss nehmen, um die Hefen nicht an ihrer Arbeit zu hindern. Und: Das Bier reift monatelang in Eichenfässern, wo schließlich die Spontangärung erst einsetzt.

Das fertig Lambic ist sehr sauer und hat kaum Kohlensäure – daher wird es meist weiterverarbeitet:

  • in Kriek: Sauerkirschen werden noch ein paar weitere Monate in Lambic mazeriert (also geschrotet und eingelegt). Wie uns in einer Brauerei verraten wurde, frisst die Hefe die Kirschen dabei zur Gänze auf – also mit dem Kern, der sorgt für eine mandelartige Nuance im Aroma. Neben dem klassischen Kirschbier gibt es weitere Sorten, u. a. Himbeer, Pfirsich oder auch mit Weintrauben
  • in Faro: Verschiedene Lambics werden zusammen vergoren und noch einmal mit Extra-Kandiszucker gesüßt.
  • in Gueuze: Hier nimmt der Braumeister ein junges, noch nicht ganz vergorenes Lambic, und ein fertiges, 2-3 Jahre altes Lambic. Dann wird es in Flaschen gefüllt, bei der Flaschengärung entsteht wieder Kohlensäure. Deshalb der Champagnerkorken!

Alle zwei Jahre, in den ungeraden Jahren, öffnen viele Lambic-Brauereien im Frühjahr ihre Tore für Besucher – bei der Toer de Geuze. Heuer war es am Wochenende des 4. und 5. Mai so weit: Boon, De Troch, Lindemans, Oud Beersel, Tilquin, Timmermans, De Cam, Hanssens, Mort Subite und das Besucherzentrum De Lambiek waren bei freiem Eintritt geöffnet, die Brauereien boten Führungen durch ihre heiligen Hallen und dazu ein bisschen Spezialprogramm – je nach Brauereigröße hatte das ganze richtig Volksfest-Charakter.

Hier ein paar Eindrücke:

Während die meisten Lambicbrauereien nur bei der Toer de Geuze alle zwei Jahre öffnen, gibt es in Brüssel auch eine Brauerei, die zugleich ein Museum ist: Cantillon liegt im Bezirk Anderlecht, und wurde 1978 als non-profit Museum geöffnet. Damals eine Rettungsaktion: Das Brauen von Lambicbier galt als völlig veraltet. Heute wird es nicht nur im Zuge des Craft-Bier-Trends von Bierliebhabern aus aller Welt wieder entdeckt, die Brauerei ist eine beliebte Touristenattraktion in Brüssel. „Früher musste ich Türen herausbrechen, um mein Bier zu verkaufen, heute werden wir von Leuten belagert, die nur ein Bier kaufen wollen“, wird Besitzer Jean-Pierre Van Roy auf der Homepage zitiert. So ziemlich alles, was bei Cantillon zu sehen ist, stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert – und es funktioniert immer noch wunderbar. „Das einzige, das wir immer wieder ersetzen müssen, ist die Abfüllanlage“, schmunzelt unser Guide.

Eingekauft: Joghurt von der Milch Marie

Milch Marie Joghurt Eine liebe Kollegin fragte letztens, ob ich auch Joghurt mitbestellen möchte. Handgemacht aus hofeigener Milch in Stubenberg – und dann noch in Geschmacksrichtungen wie Ingwer-Kardamom, Chili-Zimt oder Birne-Ras el Hanout. „Normale“ wie Himbeer oder stichfestes Naturjoghurt gibt aber auch. Natürlich habe ich sofort „ja“ gesagt.

Diese Woche kam die Lieferung – und große Freude auf: Das Joghurt schmeckt toll (ganz besonders die gewagteren Mischungen) und ist richtig schön cremig, die Zutatenliste listet nur Natürliches auf und der Preis ist mit 1,80 Euro für einen halben Liter auch total in Ordnung (70 Cent kommen als Pfand für die Glasbehälter dazu).

Da es sich hier um ein regionales Produkt handelt, ist es (für alle, die nicht das Glück haben, mit einer Bekannten der Milch Marie in einer Firma zu arbeiten) nur in der Oststeiermark erhältlich – und zwar in der Dorfgreißlerei Götzl in Stubenberg.

Gekauft: Pizzaburger

Aufruhr in der Medienwelt: Mirjam Marits von der Presse sinniert über die Zielgruppe „tiefkühlproduktaffiner Nichtentscheidungsträger“ und Produktdesigner, die sich „mit immer absurderen Kreationen“ übertreffen, Severin Corti vom Standard über das Potenzial der neuen Kreation für mehr Crossover-Fastfood – „auch der Pastasciutta-Hotdog (dem Ingeniör ist nix zu schwör!) harrt schon viel zu lange seiner Snackwerdung“. Die Satireseite Die Tagespresse berichtet, dass die „Staatsanwaltschaft gegen Dr. Oetker wegen Anschlags auf den guten Geschmack ermittelt“.

Dr. Oetker bewirbt seine Innovation, den Pizzaburger, mit einem Spot, der Gourmets wahrscheinlich die Haare zu Berge stehen lässt – und freilich genau damit kokettiert. „Für alle, für die Salat nur Tischdeko ist. Für alle, die keinen Appetit haben, sondern Hunger. Für alle, für die Messer und Gabel nur Kinderkram sind“, heißt es da. Letztere können in einem Pacman-Game sogar die Flucht vor dem „Besteckmonster“ üben.

PizzaburgerUnd was ist nun dran, an dieser angeblichen TK-Fertiggerichtrevolution? Schlecht schmeckt er nicht, das muss man schon sagen – wie übrigens die meisten Tiefkühlpizzen der Marke. Praktisch ist er auch – und das ist aber auch schon ein bisschen das Problem: Den Burger isst man nämlich weg wie nix. Und übersieht dabei wahrscheinlich schnell, dass der schon eine volle Mahlzeit ist. Ein Salamiburger (siehe Bild) deckt mit rund 500 Kalorien schon ein Viertel des Energiebedarfs einer Frau.

Wer’s ausprobieren mag: Der Burger ist in den drei Geschmacksrichtungen Salami, Diavolo (Salami und Pepperoni) und Speciale (Schinken, Champignons, Edamer und Cheddar) erhältlich und kostet rund 2,80 Euro im Handel – ist also ungefähr gleich teuer wie eine Pizza.

Gekauft: Schokolade mit Kren

Eines geht ja immer unter, wenn Chocolatier Josef Zotter (natürlich zu Recht) als Schoko-Innovator gelobt wird: Dass es mit Felber in Birkfeld eine weitere großartige Schokoladenmanufaktur in der Steiermark gibt.

Schoggi Ganz so viele exotische Sorten wie Zotter bietet Felber nicht an, aber letztens fiel mir eine doch seehr interessante Geschmacksrichtung in den Schoß. Anlässlich der Präsentation der „Scharfen Wochen“ in der Steiermark wurde auch Kren-Schokolade verkostet.

5 Prozent steirischen Kren listet die Verpackung auf und dementsprechend dezent hält sich der Kren-Geschmack auch im Hintergrund. Seine Schärfe harmoniert aber wunderbar mit der Bitterschokolade!

Note to myself: Vielleicht auch einmal dieses Schokomousse mit Kren ausprobieren … Oder auch hier in der Abteilung Desserts ausgiebig schmökern …

Gekostet: Zotter Overdose

Kühler Kakao als Energy Drink, das ist die neueste Innovation aus der Schokoladenmanufaktur Zotter: Die „Overdose“, so der ein bisschen kindisch-provokativen Powerdrinks, gibt es ab sofort in drei Sorten: dark, milk und white.

Alle drei Sorten bestehen aus Fairtrade-Schokolade und Bio-Milch aus dem Ennstal, die dunkle Schoko enthält dazu Ginseng und einen Hauch Chili „Bird’s Eye“, die Milchschoko Guarana, echte Vanille, Zimt, Rosenblüten und einen Hauch Zitrone, die weiße Schoko Chaga-Pilz, Rosenblüten, einen Flash Zitrone, Vanille und Zimt.

OverdoseKalorienmäßig schlägt sich eine Dose „Overdose“ (23o ml) mit stolzen 310 Kalorien zu Buche, im Geldbeutel mit 2,75 Euro. Erhältlich hier und im Handel, zB bei Wein & Co.

Gekostet: Steirer Cider

Steirercider

Daran, dass zu wenige Äpfel in der Steiermark angebaut werden, kann es nicht liegen. Aber warum gibt es kaum Cider aus der Steiermark? Gut, den Haider Cider gibt es schon seit ein paar Jährchen (verbunden mit dunklen Erinnerungen an Farm Raves am Stubenbergsee …), der scheint aber technisch gesagt ein Apfelmost zu sein.

In den letzten Jahren tauchten aber plötzlich zwei Cider-Marken aus der Steiermark auf:  Einerseits das Goldkehlchen, das wird in Burgenland hergestellt, aber aus steirischen Äpfeln. In Graz ist der Premium Cider bei Jodl, bei VDB und in der Metro erhältlich.

Und dann wäre da noch der Steirer Cider. Hergestellt wird er von Mostsommelier Manfred Fauster aus Graz-Mariatrost, der sich schon damit einen Namen gemacht hat, den Most auf ein neues Level zu heben – der wird dann als Edelmost in entsprechend edlen (Wein-)Flaschen verkauft, es gibt ihn auch als Frizzante von alten Sorten. Von da ist es nur ein logischer Schritt, auch Cider anzubieten: süßen Steirer Cider, mit leichten 3,8 Prozent Alkohol und prickelnder Kohlensäure.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Most und Cider? Cider ist moussierender Apfelwein: vergorener Apfelsaft, der meistens mit Kohlensäure angereichert wird. Und Most ist Fruchtwein aus vergorenen Äpfeln. Anders gesagt: Beim Most wird Apfelsaft mittels Kellertechnik und Hefe vergoren. Bei Cider wird hingegen bereits vergorener Apfelsaft mit reinem Apfelsaft vermischt und mit Kohlensäure versetzt. So ist Cider weniger sauer als Most und hat weniger Alkohol, laut österreichischem Lebensmittelkodex weniger als 4,5 Prozent Alkohol.

Gekauft: Omi’s Apfelstrudel

Omi's Apfelstrudel Okay, genaugenommen habe ich ihn nicht gekauft – er wurde mir neulich in die Hand gedrückt, ich habe ihn also kostenlos bekommen. Aber die Kategorie heißt nun einmal so. 🙂

Viel kann ich euch nicht darüber erzählen: Es ist ein steirischer Apfelsaft, der mit Zimt veredelt wurde. Kommen tut das ganze aus Leoben, hergestellt wird es von der Alfred Kendlbacher GmbH in Leoben.

Und wie schmeckt das? Super, wie Omi’s Apfelstrudel halt schmeckt! Sehr süß, dank des Zimtgeschmacks noch süßer. Laut „Flaschentext“ kann man ihn auch heiß trinken, am besten ist es wohl, ihn „gespritzt“, also mit Wasser zu trinken.

Die Homepage zum Apfelstrudelsaft ist erst im Aufbau, zumindest einen Verkaufspunkt kann ich aber nennen: Café-Restaurant Steira-Eck im Shopping Nord, Graz.

Also: Prost und alles Gute, liebe Omi!

Eingekauft: Kardamint-Schokolade

Kardamint ist eine geniale Sache: Ein Sirup aus Nana-Minze und Kardamom, der gleichzeitig erfrischend und wärmend ist und dementsprechend auch heiß und kalt getrunken werden kann. Oder in einem Spritzer. Oder in einem Prosecco. Oder in einem Mojito.

Der Drink kommt aus Graz, wurde von Herbert Möstl erfunden, und kann hier gekostet und hier bestellt werden.

Jetzt gibt’s aber etwas Neues: Kardamint-Schokolade!

kardamint

Handgeschöpfte Zartbitterschokolade mit Kardamint-Extrakt – und schmeckt wahnsinnig toll. Erhältlich ist sie in Graz bei VDB.

Eingekauft: „Wunderlinge“ bei Rewe

Natürlich ist es in Wirklichkeit nicht mehr als eine nette Geste, wenn ein Konzern wie REWE (der dafür bekannt ist, den Freeganern und Mülltauchern den Zugang zu den weggeworfenen Lebensmitteln unmöglich zu machen) jetzt auch Obst und Gemüse anbietet, das nicht den Richtlinien entspricht und sonst entsorgt würde. Aber es ist definitiv ein Schritt in die richtige Richtung.

„Wunderlinge“ heißt das bei Billa, Adeg und Merkur. Verkauft werden unter dieser Marke bislang nur Erdäpfel, Karotten und Äpfel, die leichte Fehler aufweisen oder einfach nur zu klein sind. Normalerweise würden sie es nicht in den Supermarkt schaffen, sondern industriell weiterverwertet werden, an Tiere verfüttert oder gleich bei der Ernte am Feld liegengelassen werden.

Wundern muss man sich angesichts der „Wunderlinge“ tatsächlich: Es ist nämlich wirklich schwer, herauszufinden, warum die Erdäpfel nicht supermarkttauglich sein sollten. Für das Foto habe ich die 5 Stück herausgepickt, die überhaupt Fehler aufgewiesen haben – sonst: Einfach zu klein …

Wunderlinge

Gekauft: Die andere Gemüsebox

Da der Frischehof Robier seine Frischebox-Lieferungen leider eingestellt hat, mussten wir uns einen neuen Lieferanten suchen: Die Steirische Erntebox liefert donnerstags nach Graz und Umgebung und freitags ins Mur- und Mürztal, es gibt zwei Varianten, die Gemüsebox um 13,20 Euro und die Salatbox um 10,50 Euro, optional kann man sich noch Extras wie ein gemischtes Obstkisterl (7,90  Euro) bestellen.

Vom Gemüse unserer ersten Kiste waren wir begeistert.

Gemüsebox

 

Der Inhalt

  • 1 Stk. Kräuselendivien
  • 1 Stk. Eichblatt
  • 1 Stk. Weißkraut
  • 1 Stk. Fenchel
  • 5 Karotten
  • 1 Stk. Sellerie
  • 1 Bund Schnittlauch

Was soll daraus werden? Geschmorter Endiviensalat mit Chili? Oder Eichblattsalat mit Fenchel? Oder Lauwarmer Eierschwammerlsalat mit Ziegenkäse? Irish Stew? Weißkrautlasagne? Kraut-Kartoffelpfanne mit Bratwurst?

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