Essen in Kopenhagen

Anfang Juni ging es für ein paar Tage in die Hauptstadt von Dänemark, jenem Land, das anscheinend so vieles besser macht als wir, vor allem was Nachhaltigkeit angeht … Kopenhagen gilt als ganz großes Vorbild für eine fahrradfreundliche Stadt – wie viele Leute dort am Bike unterwegs sind, glaubt man erst, wenn man es gesehen hat. Und auch beim Thema Lebensmittelverschwendung hat sich in Dänemark viel getan – der gebürtigen Russin Selina Juul und ihrer Bewegung ist es gelungen, 25 Prozent (!) der Lebensmittelabfälle zu reduzieren (eine Doku dazu gibt’s noch 25 Tage lang auf arte.tv nachzusehen).

Nicht nur beim Vermeiden von Abfällen, auch beim Produzieren von tollem Essen sind die Dänen ganz weit vorn – das weiß die Welt spätestens seit den regelmäßigen Top-Platzierungen von René Redzepi und seinem Noma. Das soll übrigens noch heuer im Norden des Freistaats Christiania neu aufsperren. Einen Besuch im Noma hätten wir uns aber wohl eh nicht so leicht leisten können, stattdessen wichen wir auf eines der Restaurants aus, die von den vielen Noma-Schülern aufgesperrt wurden: Aus der Noma-Küche sind ja längst einige weitere Spitzenköche mit eigenen Lokalen hervorgegangen. Einer davon ist Christian Puglisi mit dem Relæ (Platz 39 der World’s best 50 Restaurants) im Stadtviertel Nørrebro.

Der Besuch dort war freilich eines der ganz großen Highlights bei unserem Städtetrips. Es war aber natürlich auch eines der teuersten Restaurants, das wir je besucht haben … Von den unreifen, grünen Erdbeeren mit Frischkäse am Anfang bis zum Pilz-Karamell-Sandwich zum Dessert: Was wir im Menü Relæ Experience serviert bekommen haben, war so wunderschön und in seiner Schlichtheit so unglaublich raffiniert, dass ich mich an dieses Essen sicher noch lange gerne erinnern werde. Die Einrichtung ist skandinavisch schlicht mit viel Holz und ganz simpel, aber sehr gemütlich, das Service herausragend, die Weinkarte fantastisch – mit viiel Naturwein.

Fotos: Relæ

 

Und sonst? Haben wir es uns gut gehen lassen und versucht, nicht allzusehr auf die (teils doch ziemlich empfindlich teuren) Rechnungen zu schauen, es waren ja nur ein paar Tage … Unbedingt kosten sollte man På brød bzw. Smørrebrød (wörtlich „Butterbrot“) – das ist ein offenes Riesen-Sandwich auf köstlichem Roggenbrot, belegt mit allerlei frischen Zutaten wie Fisch, Hummer, Krabben, Roastbeef … In sind, wie ja fast überall, gerade Naturwein und Craft Beer. Eine nette Sache zum Durchgustieren ist auch der permanente Street Food Market auf der „Papierinsel“ Papirøen.

Fotos: Copenhagen Street Food & mehr …

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Zu Gast im „das anna“

Es sind nur noch drei Wochen, in denen man „das anna“ im Erzherzog Johann besuchen kann: Mit 25. Februar müssen Anna und Manuel Hofmarcher das Hotel verlassen, nachdem ihr Mietvertrag aufgekündigt wurde. Seit etwas mehr als zwei Jahren waren die Deutsche (die eigentlich Theaterwissenschaft studiert hat) und der Niederösterreicher (der bei Heinz Winkler, Alex Fankhauser, Lisl Wagner-Bacher und Thomas Dorfer sowie Didi Dorner gelernt hat) in der Grazer Sackgasse beheimatet.

Wie es der Zufall wollte, habe ich gerade kurz vor dem Zusperren einen Tisch für die ganze Familie zu einem besonderen Anlass reserviert. Andernfalls hätte ich auch was verpasst: Was Küchenchef Manuel auf die Teller zaubert, hat locker Zwei-Hauben-Niveau. Sehr aufwändig und perfekt gekocht, großartig inszeniert, modern, mit Augenmerk auf regionale Zutaten – ein wirklich tolles Menü.

Während das, was aus der Küche kommt, absolut tadellos ist, ist das Service wunderbar unperfekt: Chefin Anna hat das Handwerk nicht gelernt, und das merkt man auch. Das macht sie aber so gut wie möglich mit Einsatz, Charme und Witz wieder wett. Man sollte sich allerdings auf längere Wartezeiten abstimmen, da sie alles alleine macht. Das erklärt möglicherweise auch, warum das Lokal mit „nur“ 14 Punkten bzw. einer Haube bewertet wurde.

Nach der Beendigung ihres Mietverhältnissen sollen Anna und Manuel nun schon auf der Suche nach einem neuen Lokal sein. Und da das konservativ-klassische Ambiente des Erzherzog Johann nun eh nicht so gut zu den beiden zu passen scheint, kann es ja eigentlich nur besser werden. Alles Gute!

Besucht: Schmidhofer im Palais

Das Prato im Palais ist also nach sechs Jahren Geschichte, doch schon nächste Woche wird das 2-Hauben-Lokal das nächste Mal „aufpoppen“ – mit einem 14 Tage langen Gastspiel in der Hemingway Bar nämlich, bei dem ein Tribut an den guten alten Ernest aufgetischt wird.

Zeit aber auch, einmal Nachschau zu halten, was sich inzwischen in den alten Gemäuern des Palais Herberstein getan hat, seit es Magnolia-Koch Herbert Schmidhofer übernommen hat. Die gewagten Wandmalereien, die zwar cool aussahen, aber den Raum doch irgendwie erdrückt haben, sind klarem Weiß gewichen, die Einrichtung ist jetzt eine ganz klare, Bistro-mäßige mit grauen Stühlen. Tischdecken gibt’s keine, mit Deko wird äußerst sparsam umgegangen. So weit schon einmal ganz gelungen.

 

 

Auf der Karte steht Hausmannskost auf hohem Niveau – Lieblingsgerichte auf Hauben-Art neu interpretiert, was sicher eine gute Idee ist und wohl auch bei den internationalen Gästen gut ankommen wird. Die Speisekarte teilt sich nicht in Vorspeise, Hauptspeise und Nachspeise auf, sondern in die Kategorien „Heimat und Tradition“, „Schmidhofers Klassiker. Vertraut – kreativ“, „Vegetarisch – raffiniert“ (es gibt vier fleischlose Gerichte), „Süße Geheimnisse“ und – auch das eine Besonderheit  -„Pikante Versuchungen“ zum Dessert (da findet man den Käsegang und ein pikant-süßes Dessert namens „Goldeneye“ mit einer absolut köstlichen Gänseleber-Schoko-Praline).

Zu bemängeln gibt es da eigentlich wenig, es war Gang für Gang ein Vergnügen. Das hat natürlich seinen Preis – der Rehrücken kostet etwa 29,50; ein (nicht getestetes) Schnitzerl gibt’s um 19,50; die Beef Tartare-Torte ist mit 24 Euro auch eine recht teure Vorspeise (aber hey, dafür sind Trüffel und Kaviar mit von der Teller-Party). Das Verhältnis zwischen Preis und Leistung ist aber kein schiefes. Service und Weinkarte auch schwer ok!

Schmidhofer im Palais
Sackstraße 16
8010 Graz

T 0676 4200848
www.schmidhoferimpalais.com

Öffnungszeiten
Montag – Freitag
Küche von 11:30 – 14:00 und 17:30 – 21:30 Uhr
Samstag, Sonn- und Feiertag geschlossen

Bye Bye Prato

Das Prato im Palais schließt mit Ende September, also höchste Zeit für eine letzte Aufwartung.

Das Lokal hat ja nun wirklich einiges versucht, vom Feelgood-Essen von Ernährungsberaterin Walleczek bis hin zur Positionierung als teures Schickimicki-Haubenlokal im Palais, das 2015 vom Künstlerkollektiv „LosLohBros&TheLostKids“ komplett umgestaltet wurde. Kurz vor dem Ende folgte noch die erste Natural Wine Bar der Steiermark – und eine neue Gastro-Schiene mit Hausmannskost. Nun wird das Prato flügge – Restaurantchef Michael Pech und Küchenchef Kevin Hamminger machen als Popup-Lokal weiter.

Wir haben ein letztes Mal das sechsgängige Gourmetmenü mit Natural Wine Begleitung genossen. Und müssen sagen: Wirklich schade drum – aber auf jeden Fall ganz viel Erfolg mit dem neuen Popup-Lokal!

Zu Besuch im Kupferdachl

Das Kupferdachl in Unterpremstätten ist seit Jahren ein beliebtes, gutbürgerliches Restaurant ein paar Kilometer südlich von Graz. Wie am Gang zur Toilette (und in dieser Online-Serie) zu sehen, haben es sich dort schon etliche prominente Gäste gut gehen lassen. So jetzt auch wir. Neugierig waren wir vor allem darauf, was der heimgekehrte Sohn des Hauses, Daniel Edelsbrunner, so kocht. Der hatte nämlich Stationen im Landhaus Bacher, beim Kreuzwirt am Pössnitzberg, war als Küchenchef im Prato jüngster Zwei-Hauben-Koch der Steiermark und ging danach weiter zu 2- bis 3-Sterne-Lokale nach Holland, in die Schweiz und zurück nach Österreich (u. a. bei Andreas Döllerer in Golling).

Was nun in Unterpremstätten aufgetischt wird, ist nun keine 3-Sterne-Küche mehr, sondern hervorragende „Nur“-Ein-Hauben-Küche – weil: ein Schnitzel und ein Zwiebelrostbraten gehört einfach dazu -, dazu kann man sich aber auch überraschen lassen (das Überraschungsmenü besteht aus Variationen des aktuellen Menüs) oder auf Vorbestellung ein Gourmetmenü servieren lassen.

Und für alle, die sich nach dem Essen etwas Besonders gönnen wollen, gibt es den teuersten Kaffee der Welt: Kupi Luwak. Infos bitte hier. Schmeckt aber köstlich!

Hier nun aber die gesammelten Fotos des feinen Essens:

 

Zu Besuch bei Konstantin Filippou

Daaaaanke, M!

Zu meinem Geburtstag bin ich zum Essen eingeladen worden, und zwar nicht irgendwo, sondern beim Koch des Jahres, Konstantin Filippou! Der Grazer mit griechischen Wurzeln hat seit ein paar Jahren ein eigenes Lokal in Wien (Dominikanerbastei) und daneben eine Weinbar. Aktuell kratzt er an der Vier-Hauben-Marke und ist so gut wie andauernd ausgebucht.

Schon optisch ist das Lokal eines der angenehmsten Spitzenlokale, die wir je besucht haben: Es gibt keine Tischdecken, kein Schnickschnack, schlichte graue Wände und eine halb offene Küche, bei der wir durch die Fenster zuschauen können, wie eine ganze Schar Köche unter Hochdruck mit immensem Aufwand arbeitet. Auf der Karte gibt es zwei Menüs zur Auswahl, bestellt werden können entweder vier oder sechs Gänge. Auf keinen Fall verpassen hätten wir dazu die Weinbegleitung wollen – das Lokal ist auf Natural Wines spezialisiert, die Weine wurden uns ausführlich und charmant vom Personal erklärt.

Ein bisserl hart: Als Vorspeise zur Hauptspeise, meiner Taube, wird mir ein Zwischengang mit den Innereien des Vogerls gereicht. Taubenherz und Taubenleber. Wieder ein guter Schritt zum Ich-Esse-Wirklich-Alles-Status.

Sündigster Moment: Nach 6 Gängen und 2 Grüßen noch ein 30 Monate gereifter Comté als Käsegang. Er kommt gerieben über Birnen-Verjus-Haselnuss-Mus und schmeckt wie pures Glück. Wenn ich dafür einen 3000-Höhenmeter-Marsch bewältigen muss zum Abbauen, ok!

Fotos? Ja, sicher! Bitte hier entlang …

 

Besucht: Gerüchteküche, Graz

Wieder einmal grässliche Handyfotos, die den darauf abgebildeten Gerichten absolut nicht gerecht werden. Aber da sind Küchenchef Michael Wankerl und sein Restaurantleiter Philipp Pauritsch selber schuld – sie habend das Lokal nämlich schön schummrig gestaltet. Für die hübsche Inszenierung ist sowieso Fotograf Werner Krug zuständig, der die Gerichte für die Website des Lokals fotografiert hat.

Und trotzdem möchte ich euch meine Handyscheußlichkeiten nicht vorenthalten. Aber fangen wir doch von vorne an: Michael Wankerl stammt aus Franken, reiste 8 Jahre lang um die Welt (Stationen in Italien, Malaysia und Australien), erkochte in Deutschland zwei Hauben und kam vor 8 Jahren der Liebe wegen in die Steiermark. Jetzt, im November 2014, hat er sein eigenes Lokal eröffnet – und zwar in jenem kleinen Lokal in der Grazer Schmiedgasse, wo vor ein paar Jahren die Erfolgsgeschichte des Capperi! begonnen hat.

Das Credo der Gerüchteküche ist: „regionale Produkte – weltoffene Verarbeitung“ – und so finden sich tolle Produzenten auf der Quellenliste in der Speisekarte. Das Bier kommt aus der Brauerei Gratzer, der Wein von Sepp Muster,  die Gemüseraritäten von den Grazer Schulschwestern, das Fleisch von Prenner aus Wildon. Und die Nachspeisen von Birgit Nittel. Die optimalen Grundlagen sind einmal gemacht, aber dass daraus so Hervorragendes gekocht wird, das liegt dann wohl am Küchenchef  …:

Fazit: Sehr eigenständiger Stil in der Küche, der die Eigenheiten der Produkte stark hervorhebt und darauf verzichtet, sie mit vielen Gewürzen zu pimpen. Kleine, feine Getränkeauswahl. Das Lokal ist gemütlich und un-schickimicki-mäßig, der Service top. Und die Preise sind auch ganz schön übersichtlich:
€ 9,00 für den ersten Teller, € 8,50 für den zweiten Teller, € 7,50 für jeden weiteren Teller

gerüchteküche
Schmiedgasse 22
8010 Graz
Telefon +43 (664) 883 18 444

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
11:00 Uhr bis 23:00 Uhr
Küche bis 22:00 Uhr
Samstag, Sonntag und an Feiertagen geschlossen

geruechtekueche.org | Facebook

Kochkurs mit Astrid und Andreas Krainer

Im Restaurant Krainer in Langenwang war ich leider noch nie, auch wenn mir bislang nur mehr als Gutes davon zu Ohren gekommen ist. Umso größer die Freude, dass ich zu einem Kochkurs mit den Küchenchefs Astrid und Andreas Krainer im Miele Kochstudio in Graz eingeladen war. „Einfach Fisch“ war das Thema – und das war nicht nur sehr lehrreich, sondern hat auch viel Spaß gemacht. Wie köstlich der Abend war, dafür sprechen die Bilder, denke ich …

Besucht: Die Weinbank, Ehrenhausen

Vor ein paar Wochen hat Gerhard Fuchs, einer der besten Köche in der Steiermark, ja ein Wirtshaus eröffnet: Die Weinbank in Ehrenhausen bietet regionale Wirtshausküche, aber auch einen Fine-Dining-Bereich, in dem Fuchs seine Klassiker wie den berühmten Dotterraviolo auftischt. Und eine großartige Weinauswahl, ist doch mit Christian Zach ein Top-Sommelier und mit Manfred Tement ein Top-Winzer an Bord.

Erster Eindruck: Ein optisch sehr gelungenes Lokal – mit schönen, stilvoll-rustikalen Holzbänken und Designerlampen aus Fassdauben und Glasflaschen. Der Name „Weinbank“ rührt daher, dass hier tatsächlich „gespart“ wird – es gibt Schließfächer, in denen man seine eigenen, an der Weinstraße eingekauften, Flaschen bei perfekten Konditionen lagern kann. Über die Zinsen weiß ich allerdings nicht Bescheid.

Jetzt aber zum Essen: Wir haben uns auf die Wirtshausküche gestürzt und uns für die Wirtshaus-Rallye entschieden. Da kocht Fuchs vier Überraschungsgänge zum Preis von 28 Euro. Wenn man die Weinbegleitung dazu wählt, gehen die Kosten schon ziemlich nach oben – wenn man es nicht tut, verpasst man aber einiges – wie Sauvignon Blanc „Zieregg“ von Tement mit einem Glaspreis von fast 10 Euro … Das nächste Mal ist aber die (Noch nicht, weil noch nicht getestet) Haubenküche dran!

Besucht: Aiola Upstairs, Graz

Mit der Bewertung von Gault Millau muss man nicht immer einverstanden sein. 14 Punkte, also eine Haube gab es kürzlich für 2015. Kurz, bevor die neueste Ausgabe des Restaurantführers erschien, haben wir dort aber das gegessen  Alles extrem liebevoll angerichtet, kreativ, stimmig – und hätte unserer Meinung nach eine Haube mehr verdient. Empfehlenswert ist das Lokal natürlich auch wegen der wunderschönen Lage am Schloßberg. Am Heimweg zurück hinunter in die Stadt haben wir sogar einen Dachs getroffen!

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