Essen in Kopenhagen

Anfang Juni ging es für ein paar Tage in die Hauptstadt von Dänemark, jenem Land, das anscheinend so vieles besser macht als wir, vor allem was Nachhaltigkeit angeht … Kopenhagen gilt als ganz großes Vorbild für eine fahrradfreundliche Stadt – wie viele Leute dort am Bike unterwegs sind, glaubt man erst, wenn man es gesehen hat. Und auch beim Thema Lebensmittelverschwendung hat sich in Dänemark viel getan – der gebürtigen Russin Selina Juul und ihrer Bewegung ist es gelungen, 25 Prozent (!) der Lebensmittelabfälle zu reduzieren (eine Doku dazu gibt’s noch 25 Tage lang auf arte.tv nachzusehen).

Nicht nur beim Vermeiden von Abfällen, auch beim Produzieren von tollem Essen sind die Dänen ganz weit vorn – das weiß die Welt spätestens seit den regelmäßigen Top-Platzierungen von René Redzepi und seinem Noma. Das soll übrigens noch heuer im Norden des Freistaats Christiania neu aufsperren. Einen Besuch im Noma hätten wir uns aber wohl eh nicht so leicht leisten können, stattdessen wichen wir auf eines der Restaurants aus, die von den vielen Noma-Schülern aufgesperrt wurden: Aus der Noma-Küche sind ja längst einige weitere Spitzenköche mit eigenen Lokalen hervorgegangen. Einer davon ist Christian Puglisi mit dem Relæ (Platz 39 der World’s best 50 Restaurants) im Stadtviertel Nørrebro.

Der Besuch dort war freilich eines der ganz großen Highlights bei unserem Städtetrips. Es war aber natürlich auch eines der teuersten Restaurants, das wir je besucht haben … Von den unreifen, grünen Erdbeeren mit Frischkäse am Anfang bis zum Pilz-Karamell-Sandwich zum Dessert: Was wir im Menü Relæ Experience serviert bekommen haben, war so wunderschön und in seiner Schlichtheit so unglaublich raffiniert, dass ich mich an dieses Essen sicher noch lange gerne erinnern werde. Die Einrichtung ist skandinavisch schlicht mit viel Holz und ganz simpel, aber sehr gemütlich, das Service herausragend, die Weinkarte fantastisch – mit viiel Naturwein.

Fotos: Relæ

 

Und sonst? Haben wir es uns gut gehen lassen und versucht, nicht allzusehr auf die (teils doch ziemlich empfindlich teuren) Rechnungen zu schauen, es waren ja nur ein paar Tage … Unbedingt kosten sollte man På brød bzw. Smørrebrød (wörtlich „Butterbrot“) – das ist ein offenes Riesen-Sandwich auf köstlichem Roggenbrot, belegt mit allerlei frischen Zutaten wie Fisch, Hummer, Krabben, Roastbeef … In sind, wie ja fast überall, gerade Naturwein und Craft Beer. Eine nette Sache zum Durchgustieren ist auch der permanente Street Food Market auf der „Papierinsel“ Papirøen.

Fotos: Copenhagen Street Food & mehr …

Advertisements

Durchgekostet: Prag

Ja na klar. Einen gemeinsamen Nenner gibt es immer, wenn M. und ich verreisen: Die Wahl der richtigen Lokale ist mindestens genauso wichtig wie das Sightseeing-Programm. Schließlich muss man sich ja auch durch ein Reiseziel durchschmecken, das war kürzlich mit Prag freilich auch nicht anders. Wer da kein Bier trinkt, ist selber schuld – aber wer sich nicht wenigstens ein bisschen durch die böhmische Küche kostet, auch. Neben den vielen Bierlokalen, in denen man durchwegs gutes, deftiges Essen (in den Touristenbezirken halt um einiges teurer) bekommt, hat es uns aber überrascht, wie hoch der Standard in einigen Lokalen war – und das zu einem wirklich tollen Preis-Leistungs-Verhältnis, ist doch Tschechien nach wie vor um einiges günstiger als Österreich oder Deutschland.

IMG_1411

Selten so leer: Altstädter Ring in Prag

Hier ein paar Lokal-Tipps für die „Goldene Stadt“, vielleicht helfen sie ja dem einen oder der anderen weiter … Fotos vom Essen dort findet ihr weiter unten.

  • Nota Bene: Tolles Bierlokal in der Neustadt, ein Stück südlich vom Hauptbahnhof. Es gibt großartiges (Craft) Bier in wechselnden Sorten und dazu eine kleine, aber äußerst feine Speisekarte mit Essen aus regionalen Zutaten. Würde sich bei uns auf jeden Fall eine Haube verdienen!
  • U Sedleru: Ein typisches Bierlokal am Karlsplatz, das aussieht wie Hunderte andere – die Qualität des Essens hat uns aber sehr überzeugt. Knoblauchsuppe, Gulasch und Schnitzel waren perfekt gekocht, der Erdäpfelsalat ganz toll abgeschmeckt.
  • U Marianskeho Obrazu: Hier sind wir zufällig im Arbeiterbezirk Žižkov nach der Besichtigung des Fernsehturms hungrig gelandet. Schweinsbraten, Gulasch und Bier zu unschlagbaren Preisen. Und sehr in Ordnung.
  • Bukowski’s: Da gab es dann quasi den Verdauungsschnaps nach dem Marianskeho Obrazu – schön schummrige Cocktailbar in Žižkov mit wunderbar ranzigem Flair und fantastischen Cocktails. Auf der Karte stehen Klassiker, aber auch manche ungewöhnliche Kreation.
  • Dinitz: Im jüdischen Viertel der Altstadt waren wir einmal koscher essen – das schmeckt ja natürlich auch Nicht-Juden gut (bzw. bezieht sich „koscher“ ja nur auf die Zubereitungsregeln, nicht die Art des Essens). Ein kleines, sehr einfaches und sehr authentisch wirkendes Lokal mit bewundernswert flotter Bedienung und dem besten Hummus, das ich seit Langem hatte. Dazu Spieße und Mezze, Mezze, Mezze.
  • Maitrea: Vegetarisches Lokal gleich um die Ecke des Altstädter Rings mit sehr schöner Einrichtung (ein bisserl Eso darf ruhig sein) und toller Speisekarte. Ein paar Gerichte waren definitiv sehr gesund (manche Leute soll so etwas ja stören), alles hat aber toll geschmeckt.
  • Q15: Das Lokal des Questenberk Hotels – das Hotel sieht von der Hradschin-Seite aus wie eine Kirche, von der Laurenziberg-Seite sticht vor allem die Terrasse ins Auge, von der aus man einen Weinberg und dann die Schokoladenseite von Prag überblickt. Letzteres hat uns angelockt, das Essen war dann aber auch wirklich grandios.
  • The Field: Ein Sternerestaurant, das sich zwar mit einigem Understatement übt – „Free Range Dining“ ist der Schlachtruf, das scheinbar rustikale Thema wird mit bäuerlicher Gerätschaft bis hin zu Siloballen vor den Toiletten durchgezogen – dann aber Spitzengastronomie bietet. Eine spannende Besonderheit, die bei uns noch nicht so verbreitet ist: Zum Tasting Menu kann man statt der Weinbegleitung auch eine nichtalkoholische Begleitung mit Säften (!) bestellen. Siehe Fotos!

Cachupa & Co: Kapverdisch essen

Über Neujahr waren wir heuer auf den Kapverden. Für alle, bei denen es nicht gleich  klingelt: Das ist diese entlegene Inselgruppe im Atlantik, 500 Kilometer westlich vor dem Senegal. Karg, heiß, bitterarm – und faszinierend. Neben ein paar Tagen Baden und Faulenzen auf der trockenen Touristeninsel Sal waren wir in der Musikhauptstadt Mindelo und sind durch das überraschend fruchtbare und wunderschöne Paul-Tal auf Santo Antao gewandert, wo wir nur so gestaunt haben, mit welch immensen Aufand und welch harter Arbeit die Menschen hier jedem noch so kleinen und abgelegenen Flecken Boden ein Stückchen Ackerland abringen.

Kreolische Küche der Kapverden

Gegessen haben wir natürlich auch etwas … Die Küche der Kapverden ist ziemlich einfach, klar, denn der karge Boden gibt – ganz wenige fruchtbare Täler ausgenommen – nicht viel her. Das absolute Nationalgericht heißt Cachupa und ist ein herzhafter, energiereicher Eintopf aus Bohnen und Mais, aber dazu später. Dann gibt’s ein paar Einflüsse aus Portugal, schließlich war die Insel lange unter portugiesischer Herrschaft. Und Fisch, Fisch, Fisch. Die Inseln sind abgelegen genug, dass ihre Gewässer noch nicht überfischt sind; auf den Teller kommt, was wenige Stunden zuvor im Netz landete. Man kann also mit gutem Gewissen auch Tunfisch, Schwertfisch und alle anderen Fischarten essen, die in der gesamten nördlichen Hemisphäre schwer bedroht sind.

Trinken tun die Inselbewohner auch ganz gerne. Dass sie keine Kinder von Traurigkeit sind, duften wir zur Jahreswende beobachten – da stiegen überall riesige Partys, gefeiert wurde mehrere Tage lang. Beliebt ist das portugiesische Importbier Estrella, von dem es auch eine kapverdische Variante gibt. Aber auch einheimischer Zuckerrohrschnaps, der Grogue – eine Art Cachaça, der pur, aber auch gern in Caipirinha getrunken wird. Dazu gibt es die softere, picksüße Likör-Variante: Ponche („Punsch“).

 

Nun aber zum praktischen Teil dieses längsten Blog-Eintrags von allen: Es gibt Rezeepte!! Kürzlich luden wir nämlich Freunde zum Kapverden-Abend mit Foto-Schaun, dem Versuch, kapverdische Küche nachzukochen und Caipirinhas. 🙂 Originaler Ponche in der Cola-Flasche von der Schwägerin unseres Santo-Antao-Wanderguides Joao wurde dabei übrigens auch verkostet!

 

Hier die Rezepte dazu:

Cachupa Rica: Das Nationalgericht der Kapverden ist ein Eintopf, der morgens, mittags und abends gegessen wird. Zum Mittagessen gibt es frisch gekochte Cachupa-Suppe, als Abendbrot den eingekochten Cachupa Eintopf und zum Frühstück werden die Reste vom Vortag mit einem Ei angebraten. Wenn Speck, Fleisch oder Fisch wird die Cachupa zur Cachupa Rica („reich“).

Das mit dem Rezept ist nicht so genau – in die Cachupa kommt, was der Garten/der Markt gerade hergibt. Fixe Zutaten sind auf jeden Fall Mais und Bohnen, dazu kommt jede Menge Gemüse – Karotte, Kürbis, Maniok, Süßkartoffeln, Kartoffeln, Kohl …

Wir haben sie an das europäische Nahrungsmittelangebot angepasst wie folgt gekocht:

Für einen großen Topf voll 150 Gramm Bohnen (wir haben halb Black Eyed und halb schwarze verwendet) über Nacht einweichen und weich kochen. Zwei Zwiebeln und drei Knoblauchzehen schälen und fein würfeln.

4 Kartoffeln, 2 Süßkartoffeln und 2 Karotten schälen, wie 1 Handvoll Weißkohl, 1 Handvoll Kirschtomaten mittelgrob würfeln.

Zwiebeln und Knoblauch mit einer Handvoll Speckwürfeln in Olivenöl anbraten. Dann das Gemüse plus Bohnen plus 1 Dose Mais dazugeben. Mit Suppe aufgießen und mit 1, 2 Lorbeerblättern weich kochen lassen. Abschmecken mit Salz, Pfeffer und Piment.

Servieren z.B. mit einem Spiegelei „on top“.

 

Pasteis de Peixe: Die Teigtaschen mit herzhafter Fischfüllung sind eigentlich etwas Portugiesisches, der Blog 196 Flavours stellt aber etwa die „Fischkuchen“ als typisch kapverdisches Rezept vor.

Für ein Backblech voll (als Partysnack für ca. 6 Gäste) zuerst den Germteig (Hefe) vorbereiten: 500 g Weizenmehl, 1 Packung Trockenhefe, 1 TL Salz, 1 TL Zucker, 1/2 TL weißer Pfeffer trocken vermischen, mit 1 Ei, 2 EL Öl und 1/4 l lauwarmem Wasser zum Teig vermischen und in Ruhe rund eineinhalb Stunden gehen lassen.

Genug Zeit, um die Füllung zuzubereiten: 2 Zwiebel und 2 Knoblauchzehen schälen und  würfeln. 4 weißfleischige Fischfilets (Dorade, Heilbutt, Dorsch …, es reicht TK-Qualität, aufgetaut) grob würfeln. 1 grüne und 1 rote Paprika, 2 kleine Chili, 3 frische Tomaten (entkernen) ebenso.  Zuerst die Zwiebeln und den Knoblauch in Olivenöl in einer großen Pfanne anbraten, dann Fisch und Gemüse dazugeben. Bei mittlerer Hitze schmoren lassen, bis die Zutaten weich und die Flüssigkeit verkocht ist. Mit Salz und Pfeffer nachwürzen und etwas abkühlen lassen, 1/2 Bund Koriander (fein gehackt) daruntermischen.

Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche etwa 5 mm dick ausrollen, mit einem Glas runde Taler ausstechen, einen EL Füllung daraufgeben und zu einer Tasche zuklappen. (Wer Kärntner Kasnudeln krendeln kann, ist klar im Vorteil.)

Die Teigtaschen werden klassischerweise in heißem Öl frittiert, zum Kaloriensparen haben wir aber den Großteil mit etwas Öl bestrichen im Backrohr gebacken. Der Vergleich macht sicher: Die frittierten haben wesentlich besser geschmeckt! 🙂

Flambierte Bananen: Bananen. Rohrzucker. Harter Alkohol (hier: Grogue). Anzünden. Mit Eis genießen.

 

kapv (4)

Pasteis de Peixe

kapv (2)

Cachupa Rica mit Spiegelei

kapv (1)

Ponche

kapv (3)

Flambierte Banane mit Eis

 

 

Durchgekostet: Istanbul

So, der Herbst hat begonnen, die Grazer Erde hat uns wieder und die Eingewöhnungszeit ans richtige Leben ist auch langsam vorbei. Zeit, endlich nach der bislang längsten Blog-Pause von mehr als sechs Wochen auch wieder etwas hier reinzuschreiben. Und was eignet sich da besser als ein Reisebericht – schließlich kann man dabei auch noch ein bisschen in Urlaubserinnerungen schwelgen. 🙂

Heuer im August war es also Istanbul. Wir besuchten einen Freund, der den Sommer über mit einem Künstlerstipendium in der Stadt verbracht hat, für mich war es das zweite Mal Istanbul, für M. das erste Mal. Und (auch dank der neuen Flug-Direktverbindung Graz-Istanbul) ganz, ganz bestimmt nicht das letzte Mal. So ein wunderbarer Schmelziegel aus Ost und West und Tradition und Moderne, riesengroß und unglaublich spannend, und nur zwei Flugstunden entfernt.

Istanbul, gesehen vom SALT

Istanbul, gesehen vom SALT

Aber nicht nur kulturell und historisch hat die Stadt viel zu bieten, ihr ahnt es schon. Das Essen ist unglaublich gut.

Hier ein paar der Lokale, in denen wir gegessen haben und die wir sehr gern weiterempfehlen:

  • Marmelat ist ein kleines Café ganz in der Nähe des Galata-Turms – und lag genau gegenüber des Apartments, in dem wir gewohnt haben. Wir haben fast täglich dort gefrühstückt: Es war alles ausgezeichnet. Und: Es gibt wunderbaren Meinl-Kaffee!
  • Canım Ciğerim ist ein winziges Fast-Food-Lokal, das sich auf ein Gericht spezialisiert hat: Shish Kebap, also Spieße. Die gibt’s in den Sorten Leber („Canım Ciğerim“ heißt wohl so etwas wie „meine Leber, meine Liebe“), Rind und Huhn. Dazu werden dann weiche Fladenbrote, gehackte Paradeiser mit Kräutern, Spinat, rohe Zwiebeln, Petersilie, Minze und Gemüse serviert, daraus bastelt man sich eine Art Wrap. Schmeckte sehr, sehr gut! Adresse: Minare Sokak No.3, Beyoğlu – es gibt aber auch weitere Filialen.
  • Refik ist ein legendäres türkisches Bohème-Lokal, ganz in der Nähe der Istiklal, das seit den 50er Jahren unverändert scheint. Die Wände sind voll mit Zeitungsausschnitten und Fotos des Besitzers mit Prominenten. Das Essen ist traditionell türkisch, besonders gut war die große Auswahl an Mezze – die Kellner bringen die Teller zum Aussuchen auf riesigen Tabletts an den Tisch.
  • Mikla gehört zu den hundert besten Restaurants dieses Planeten – übrigens für uns das erste Mal, das wir eines der Liste besuchen durften. Total überwältigend ist schon einmal die Aussicht: Man nimmt auf der Dachterrasse des Marmara Pera Hotels im 18. Stockwerk Platz und hat eine atemberaubende Aussicht über Galata, die historische Halbinsel mit ihren Moscheen und das Marmarameer. Die Küche definiert sich als neue anatolische Küche, also traditionelle Küche neu interpretiert. Wir hatten das Degustationsmenü, mit einer (großzügig eingeschenkten!) Weinbegleitung aus rein anatolischen Weinen. Und: Es war der Hammer. In der Fotoserie mehr dazu!
  • Heisenberg. Die hippste Gegend von Istanbul ist derzeit Karaköy, wo sich die Stadt ein bisschen in Brooklyn/Williamsburg verwandelt: Alte Garagen und Werkstätten werden zu Lokalen und originellen Geschäften, Hipster durchstreifen die Straßen, es ist alles sehr, sehr nett – und wird wohl auch bald der Gentrifizierung zum Opfer fallen. Eines der Lokale, das wir zielstrebig anvisiert haben, ist das Heisenberg. Der Name erinnert euch nicht nur an Physikstunden? Richtig, es ist ein Breaking-Bad-Themenlokal (!). Ein Schutzanzug mit Gasmaske hängt an der Wand, auf der anderen Seite ein Pollos-Hermanos-Kübel, als Tischdeko gibts Pipetten – und auf der Karte hauptsächlich (ganz ordentliche) Burger. Man hätte es vielleicht sogar ein bisschen origineller/originalgetreuer machen könnten (Los Pollos Hermanos! Und Cornflakes!), aber dennoch ganz nett.
  • Dandin, eine Ecke weiter vom Heisenberg gelegen, ist eine zuckersüße Konditorei ganz im türkis-weißen Fünfziger Jahre Stil gehalten. Köstlich war das Tahini-Eis, und das Ungetüm aus Pudding-Erdbeer-Kuchen hat auch toll ausgeschaut. Hier könnte man Stammgast werden, würde man in dieser wunderbaren Stadt leben.

Durchgekostet: Lissabon

Portugal - Hauptstadt Lissabon - WappenPortugiesisches Essen? Die erste Vorstellung, die mir so im Gedächtnis war, ist Bacalhau, also Stockfisch (konservierter, eingesalzener Kabeljau). Dann noch die konservierten Dosenfische wie Nuri-Sardinen und natürlich das Nationalgetränk Portwein. Mehr hatte ich vom westlichsten Land Kontinentaleuropas eigentlich nicht gehört. Zeit, das bei einem kurzen Städetrip nach Lissabon zu überprüfen.

Bacalhau gibt es tatsächlich an allen Ecken und in allen Restaurants und ich habe es wieder versucht, ihn zu kosten (nachdem Versuche in tollen Restaurants in Bilbao und Rom schon kläglich scheiterten). Es ist nicht so einfach. Der Fisch ist von einer seltsamen Konsistenz und schmeckt verdammt intensiv. Üblich sind Bolinhos de Bacalhau, frittierte Nocken mit einer Mischung aus passierten Kartoffeln und Stockfisch, die eigentlich sehr gut schmecken – aber was schmeckt in frittierter Form nicht toll? Aus geriebenem Bacalhau, Zwiebeln und geriebenen Kartoffeln, gestockt mit Ei, besteht Bacalhau à Bras, eines der populärsten Stockfischgerichte. Eigentlich auch sehr ok, aber hier kommt der intensive Geschmack des Fischs schon sehr zum Tragen.

Und sonst? Auffällig sind in den Lokalen, die traditionelle Gerichte servieren, zwei Dinge: Als Beilage gibt es oft sowohl Pommes Frittes als auch Reis (was eigentlich super ist, wer will sich schon immer entscheiden?). Die traditionelle Küche ist oft sehr simpel, da darf man sich nicht zu viel erwarten. Empfehlenswert sind Sushi, der Fisch ist in Portugal von hervorragender Qualität und lässt einen wieder einmal bedauern, in einem alpinen Binnenstaat zu leben.

Hier ein paar Lokal-Empfehlungen für Lissabon:

  • The Decadente, eine super lässige Bar mit Restaurant (und Hostel namens Independente) im Bairro Alto.  Das Essen ist portugiesisch inspiriert, aber modern. Wie auch die Drinks: es gibt „Lisbon Ice Tea“ (mit Floating Coffee) und Portwein-Cocktails
  • Café Pois, ein österreichisches (!) Café in der Alfama, ein paar Häuser von der Kathedrale entfernt. Unglaublich sympathisches, schönes Café, mit toller Speisekarte (wir hatten orientalische Mezze vom Feinsten), großem Kuchenangebot und einer kleinen Auswahl an österreichischen Spezialitäten (Kracherl, Radler, Spritzer). Und deutschen und österreichischen Zeitschriften (übrigens: Wer den „Spiegel“ liest, wird schnell vom Personal als deutschsprachig identifiziert).
  • A Brasileira ist das bekannteste Kaffeehaus Lissabons und schon 1905 gegründet. Dementsprechend touristisch, aber man sollte unbedingt auf mindestens einen Espresso reinschauen. Und/oder eine Nata, das Nationalgebäck.
  • Confeitaria Nacional, für die gilt ähnliches. Das Café in zentralster Lage gleich beim Rossio-Platz wurde schon 1829 gegründet. Eine unglaubliche Auswahl an Süßigkeiten, man nimmt schon beim Anschauen gefühlte zwei Kilo zu.
  • Clube de Jornalistas, eines der interessantesten Lokale, in dem ich jemals war. Man muss klingeln, um eingelassen zu werden, das Lokal ist verwinkelt und eingerichtet wie ein – nun ja – Journalistenclub. Die Speisekarte (auf englisch) kommt im Kuvert, das Essen ist kreativ und mindestens auf Ein-Hauben-Niveau, und ganz am Ende gab’s ein Goodie zum Mitnehmen.
  • A Ginjinha ist das kurioseste Lokal und ein Muss für jeden Lissabon-Besucher. Ein winziger Kirschlikör-Take-Away-Laden. Ein Schnapsglas voll kostet 1,35 Euro. Geöffnet von 9 (!) bis 22 Uhr. Saude!
  • A Licorista e o Bacalhoeiro, Restaurant mit ganz einfacher portugiesischer Küche. Die ist schon ziemlich Hardcore, auch die Portionen sind riesig. Achtung vor dem Steak des Hauses, das wird mit pochiertem Ei und jeder Menge Kaffee-Obers-Sauce serviert (siehe Fotos)!
  • Honra by Olivier: Comida de Portugueses. Das Hotelrestaurant des schicken und ultramodernen Beautique Hotels Figueira bietet moderne portugiesische Küche. Empfehlenswert ist das Degustationsmenü zum Durchkosten durch lokale Spezialitäten – siehe Fotos (leider ist es ziemlich dunkel!)
  • h3 New Hamburgology. Not so fast Food. Kette, die den klassischen Hamburger ganz neu interpretiert und das, was normalerweise in den Buns verborgen ist, in den Vordergrund rückt. Die Kohlenhydrate gibt’s als Beilage, und zwar – typisch portugiesisch – Pommes UND Reis.
  • Este Oeste, das Restaurant des sehr sehenswerten Museu Coleção Berardo (zeitgenössische Kunst) in Belem, serviert Essen aus dem Osten (Sushi und Co) und aus dem Westen (Pizza und Co).  Das klingt schon einmal recht irre, kommt aber noch ärger – auf der Speisekarte gibt es die Abteilung „Este Oeste“ für alle, die sich nicht zwischen Ost und West entscheiden möchten. Wie Pizza mit Mango oder Wok-Pasta.
  • Umai, modernes Asialokal. Es werden drei Mittagsmenüs – Thai, Sushi oder Indisch – angeboten, alles was wir gekostet haben, war großartig.
  • Sol e Pesca, ein sehr kurioses, winziges Lokal in einem ehemaligen Angelbedarf-Shop, in dem es praktisch nix ausser Fischkonserven gibt. Man sucht sich eine Dose aus und bekommt den Fisch dann hübsch auf einem Teller angerichtet.

Durchgekostet: Schottland

Schottische FlaggeHaggis. Schafsinnereien und Hafer, gekocht im Schafsmagen. Das ist so ziemlich das einzige, was ich über die Küche Schottlands wusste. In Wahrheit ist die allerdings überhaupt nicht so schlecht, wie man denken würde, wenn man glaubt zu meinen, wie Haggis schmeckt. Der Standard ist hoch, und neben großartigen asiatischen und auch mediterranen Lokalen, ist auch die moderne schottische Küche von hoher Qualität. Kein Wunder, es gibt ja auch tolle Produkte: Angusrind, frischer Fisch aus dem Atlantik, toller Käse und natürlich der Whisky. Die gehobene schottische Küche soll schon seit dem Mittelalter von der französischen beeinflusst sein, was sich in einer Vorliebe für Käse und Wein niedergeschlagen hat.

Und übrigens: Haggis ist viel, viel besser, als man glaubt. Serviert wird es mit Pfeffersauce, Whiskysauce, in Form von gebackenen Bällchen, als Füllung von mit Speck ummanteltem Hühnerfilet (Balmoral Chicken), … Im Gegensatz zu manch anderem Grusel-Nationalgericht wie zum Beispiel dem isländischen Hákarl wird Haggis auch wirklich gern gegessen, vom Breakfast bis zum Dinner – und auch als Chips-Geschmack.

Hier eine Liste von Lokalen, die wir in Glasgow und Edinburgh besucht haben und gern weiterempfehlen:

  • Café Andaluz, tadellose spanische Tapas, drei Restaurants in Glasgow (Centre und West End) und Edinburgh
  • The Griffin, schönes, typisches Pub mit ganz okayem Pub Grub – Burger, Chips und so weiter
  • Thairiffic, asiatisch-reduzierte Einrichtung und köstliches, modernes Thai-Essen
  • Zizzi, britische Kette mit toll designten Lokalen und ziemlich gutem italienischen Essen, 3x in Glasgow und 4x in Edinburgh
  • Banana Leaf, tadelloses chinesisches und malaysisches Essen, unkompliziert und günstig
  • Rishi’s Indian Aroma, perfektes indisches Essen und supernettes Personal
  • Guy’s Restaurant, moderne europäische Küche mit schottischer Prägung, großartiger Sunday Roast in der Merchant City
  • Ubiquitous Chip, eines der besten Lokale von Glasgow, wunderschöner Gastraum im überdachten Hof, dazugehöriges Pub gleich nebenan
  • World’s End, uraltes Pub in Edinburgh mit super Küche
  • [hb] Hillhead Bookclub, neues, hippes und liebevoll eingerichtetes Pub im West End mit toller, einfacher Küche
  • Wagamama, internationale Japaner-Kette, geht immer

Durchgekostet: Wrocław, Polen

Herb_wroclaw.svg Ein kleiner Rückblick auf unseren Ausflug nach Wrocław (Breslau), das ist mit mehr als 630.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Polens, Hauptstadt der Woiwoidschaft Niederschlesien und liegt an der Oder. Und ist übrigens ziemlich besuchenswert!

Obwohl der Grund unseres Besuchs eigentlich ein musikalischer war, haben wir es uns natürlich nicht nehmen lassen, uns durchs kulinarische Polen bzw. Schlesien zu kosten. Auch wenn das Land ja nicht unbedingt fürs tolle Essen bekannt ist … Zu Unrecht eigentlich – auch wenn natürlich manches gewöhnungsbedürftig ist.

Die Fotos weiter unten (ab Nummer drei) stammen aus dem sehr empfehlenswerten Lokal jaDka. Und das ganz unten entstand am Jarmark Bozonarodzeniowy, dem jährlichen Weihnachtsmarkt.

Nachspeise am Weihnachtsmarkt ...

Nachspeise am Weihnachtsmarkt …

Bloggen auf WordPress.com.